United Anarchists

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Medienarbeit für die Anarchie

1. Grundsätzliches

Unser Wert hängt nicht davon ab, ob wir klug sind, gut schreiben können, gebildet sind oder jeweils nicht - sondern davon, ob wir alle Menschen grundsätzlich (solange sie lieb sind!) als gleichwertig akzeptieren, oder nicht, und ob wir selbst bereit sind, im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Bestes für die Menschheit zu geben. Das lässt uns auch dann bescheiden sein, wenn wir irgendetwas besser können als andere, das lässt uns auch dann selbstbewusst sein, wenn wir irgendetwas schlechter können als andere.

Für Medienarbeit bedeutet das: Es kommt nicht darauf an, dass andere Dich oder mich für gelehrt oder schlau halten, es kommt nur darauf an, dass unsere Medienarbeit unsere Ziele bestmöglich erfüllt. Es ist nicht gelogen, wenn ich sage, dass ich über jede Anarchistin und jeden Anarchisten heilfroh bin, die irgendetwas oder sogar alles besser können als ich. Es ist doch nur in meinem Sinne, wenn wir gemeinsam möglichst viel erreichen, es kommt nur auf die Community-Stärke an. Und der tut es gut, wenn alle anderen in allem besser sind als ich. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht mein Bestes zu geben habe - das müssen wir alle tun.

Entsprechend geht es bei unserer Medienarbeit nicht darum, irgendetwas für unsere Eitelkeit zu tun, sondern darum, zu zeigen, dass wir unser persönliches Bestes geben. Wer das zeigt, ist die Beste oder der Beste von uns, im Idealfalle sind wir alle die Besten.

2. Ziel unserer Medienarbeit

Unser Ziel ist es, das Volk über die wahren Verhältnisse aufzuklären, die sog. Weiße-Kragen-Täter an den Pranger zu stellen, um Druck gegen das Unrecht aufzubauen, die einen zu friedlichem Widerstand zu bewegen, die anderen zu demoralisieren und allmählich zur Vernunft zu treiben. Dabei steht uns nicht nur die geballte Macht der Lügenmedien entgegen, sondern auch die Staatsmacht, ein Heer von Spitzeln und Agenten im Internet und so weiter.

Das bedeutet, dass wir nur dann mit Erfolg kämpfen können, wenn wir klug und entschlossen an einem Strick ziehen. Das bedeutet, dass wir die Grundlagen erfolgreicher Medienarbeit kennen und akzeptieren müssen, das bedeutet, dass wir sie im Rahmen einer gemeinsamen Strategie anwenden müssen. Tag für Tag, denn die Gegenseite arbeitet auch Tag für Tag, mit aller Power, die sie dafür aufbringen kann. Dabei gibt es eine goldene Regel, die unbedingt einzuhalten ist: "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!" Das heißt, die Frage, wen man erreichen will, wie man ihn aufmerksam machen kann, wie man ihm Informationen so anbieten kann, dass er sie auch zu lesen/zu hören/zu sehen bereit ist, muss stets und immer über allem schweben. Extreme Negativbeispiele sind Leute, die meinen, mit sog. elaboriertem Code, also mit Nominalstil, Schachtelsätzen und Fremdwörtern aufwarten zu müssen, um intellektuelles Niveau zu beweisen. Beispiel:

Nominalstil/Schachtelsatz/Fremdwörter

Die Fabrikation von Fruchtsaftkonzentraten durch die Südtiroler Obstproduzenten ist ein Bestandteil der privatwirtschaftlichen Bemühungen mit dem Ziel, arbeitsintensive Verfahren möglichst der inländischen Wirtschaft zuzuordnen.

Das Gleiche in einfach:

Die Südtiroler Obstbauern verarbeiten ihr Obst selbst zu Fruchtsaftkonzentraten. So schaffen sie Arbeitsplätze für die heimische Wirtschaft.

Ich hoffe, dass dieses Beispiel einleuchtet: Ich selbst kann Kant und Nietzsche lesen, sehe aber erstens keinen besonderen Sinn darin, halte es zweitens sogar für schädlich: Spätestens nach 20 Seiten Lesen in den Werken solcher "Sprachkünstler" fange ich an, genau so zu schreiben!

Ich habe diesen Wahnsinn irgendwann über Bord geworfen, seitdem verstehen es meist alle, was ich schreibe, und selbst den klügsten Köpfen gefällt es so besser: Warum soll man es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht? Wer zieht sich schon Bleischuhe an, wenn er auf Bergwanderung geht? Genauso ist es beim Lesen: Ich selbst möchte Informationen so leicht wie möglich aufnehmen, das gilt letztlich für alle anderen auch!!!

 

3. Die AIDA-Formel

Ein Begriff aus dem Marketing, der aber praktischen Wert hat: Gut zu merken, und dabei fasst er das Wesentliche zusammen:

A = Attention / Aufmerksamkeit

I = Interest / Interesse

D = Desire / Wunsch (zu handeln)

A = Action / Handlung

 

A wie Attention / Aufmerksamkeit:

Eine Botschaft, ob im Internet oder per Flugblatt oder wie auch immer angeboten, muss zunächst Aufmerksamkeit, Attention erzeugen. Gerade in unserer Gesellschaft werden die Leute von Botschaften überschwemmt, lassen die meisten erst gar nicht an sich heran. Um zum Beispiel auf einer Google Seite Aufmerksamkeit zu erzeugen, reicht es nicht, etwa zu schreiben: "Roland Pofallas neueste Worte zur SPD"/"Roland Pofalla äußert sich zum SPD-Wahlprogramm" oder irgendetwas in der Richtung. Kein Mensch klickt das an, außer, er recherchiert gerade intensiv über Roland Pofalla.

Steht da aber "CDU-Lügenonkel Roland Pofalla wirft der Lügen-SPD Lügenmärchen vor!", dann erscheint die Sache schon interessanter. Ich würde hinter einer solchen Schlagzeile eine angriffslustige und nicht humorfreie Attacke auf Pofalla und die SPD vermuten, ich könnte nicht anders, ich müsste anklicken. Doch selbst, wenn jemand nicht anklickt - die Botschaft bleibt hängen! Für nüchtern gehaltene Sachbeiträge ist dieser Stil sicherlich zu gewagt, wer eine gute Sachrecherche schreibt, wie zum Beispiel:

http://www.zeitgeist-online.de/special24.html

Der hat mit einer Überschrift wie in diesem Falle: "Das Guttenberg-Dossier" nach meiner Ansicht schon die volle Punktzahl erreicht:  Man kann sich denken, dass es um Entlarvungen geht, die dem Guttenberg nicht angenehm sind, und tatsächlich entspricht auch das dem Inhalt.

I wie  Interest / Interesse

Hier geht es erstens, zweitens und drittens darum, dass einfach und möglichst kurz und bündig geschrieben wird. Das gilt auch für gute Sachbeiträge. Viertens geht es darun, dass ein interessanter Inhalt interessant geboten wird. Jammerei mag sich keiner gern antun, gekonnte Angriffe auf die, die es verdient haben, kommen bei allen gut an.

Dabei ist es eine Frage des Stils, wie man das angeht, amn sollte sich keineswegs scheuen, Stilelemente von anderen zu "klauen"! Mein eigener Stil ist eine zusammenkopierte Masche von allem, was mir an den Schreiben anderer Schreibern gut gefällt. Für den Spiegel, die Süddeutsche, den Stern und die Bild schreiben Profis, von denen man so manches lernen kann.

Wenn einem eine Masche selbst gefällt, ich meine nicht die Inhalte, sondern die Art, sie darzubringen, dann sollte man sie kopieren: Was einem selbst gefällt, bekommt man ungekünstelt herüber. Besonderes Augenmerk sollte man m.E. auf den Hans-Ulrich Jörges, Stern-Chefredakteur, legen. Im Rahmen meines begrenzten Überblickes halte ich ihn fachlich für das Beste, was der deutsche Journalismus derzeit an Schreibern zu bieten hat: Er schreibt für alle verständlich, aber nicht primitiv. Er schreibt sachlich, aber nicht ohne Gefühl, konzentriert sich auf das Wesentliche, fasst sich kurz.   Er teilt geschickt aus, so, dass es sitzt. Angenehm zu lesen, und was er rüberbringen will, kommt auch an. Was mir bei ihm zu kurz kommt: Der Humor. Das ist natürlich ein echtes Manko. Früher habe ich viel Spiegel gelesen, dort gab es Schreiber, die mit Humor austeilten. Das war noch besser als Jörges. Natürlich verbietet sich Humor bei sehr ernsten Themen, dann ist der Jörges-Stil das aktuelle non-Plus-Ultra aus meiner Sicht. Den Mordfall Nadine O. kann man unmöglich mit Humor behandeln, danach wäre mir auch nicht.  Geht es aber um den von Guttenberg oder um Pofalla, dann kann ich es mir nicht vorstellen, einfach sachlich und trocken zu bleiben.

Jedenfalls: Orientiert Euch an den SchreiberINNen, von deren Stilen Ihr selbst begeistert seid! Lest viel und oft von denen, dann entwickelt sich Euer Schreibstil auch in die Richtung ihrer Sprachstile! Der Mensch passt seine Sprache stilistisch an seine sprachlichen Wahrnehmungen an!

D = Desire / Wunsch zu handeln

Unter diesem Punkt ist zu verstehen, dass die Leserin / der Leser rational und emotional zu überzeugen ist. Das bedeutet für uns Anarchistinnen und Anarchisten zum ersten, dass wir nichts vortragen, wovon wir nicht selbst überzeugt sind. Wir sind keine Lügentanten und Lügenonkel.